Arzttermine besser nutzen: CED-Checkliste für bessere Gespräche

Wenn du mit Morbus Crohn oder Colitis lebst, kennst du diese Situation vielleicht: Du sitzt im Wartezimmer, hast dir vorgenommen, „heute spreche ich alles an“ und 12 Minuten später stehst du wieder draußen und merkst: Du hast die Hälfte vergessen. Nicht, weil du „zu unorganisiert“ bist, sondern weil Arzttermine oft schnell sind. Und weil eine chronische Erkrankung nicht nur Werte und Symptome ist, sondern Alltag, Energie, Kopf, Schlaf, Stress, Essen, Arbeit, Beziehungen.

Ich habe mit 14 meine Diagnose bekommen. Ich war in den ersten Jahren ständig bei Ärzten, Untersuchungen, neue Medikamente, neue Unsicherheit. Und irgendwann habe ich verstanden: Der Arzt ist enorm wichtig, aber ich muss lernen, diese Termine so zu nutzen, dass sie mir wirklich helfen. Nicht nur „alles okay“, sondern: Was heißt das für meinen Körper? Was heißt das für die nächsten Wochen? Was kann ich konkret tun?

Hier kommt meine praktische CED-Checkliste, damit du strukturierter reingehst und mit klareren Antworten rauskommst.

Warum Vorbereitung bei CED so viel verändert

Ein guter Termin besteht nicht aus „Ich hab manchmal Bauchweh“ und „Okay, wir schauen mal“. Ein guter Termin besteht aus:

  • deinem Ziel (was willst du klären?)

  • deinen Daten (was ist seit dem letzten Termin passiert?)

  • deinen Fragen (was brauchst du, um gute Entscheidungen zu treffen?)

Das senkt Stress, erhöht die Qualität der Beratung und gibt dir das Gefühl zurück, handlungsfähig zu sein.

Die CED-Checkliste (zum Copy-Paste für deine Notizen)

1) Dein Termin-Ziel (1 Satz)

Schreib vorab einen Satz auf, z. B.:

  • „Ich will wissen, ob ich in Remission bin und was der Plan für die nächsten 3 Monate ist.“

  • „Ich brauche Klarheit, ob meine aktuellen Symptome eher Entzündung oder Reiz/Stress sind.“

  • „Ich möchte meine Therapie verstehen: Warum genau das und was sind die Alternativen?“

Ein klares Ziel verhindert, dass das Gespräch „verläuft“.

2) Kurz-Update seit dem letzten Termin (60 Sekunden)

Notiere das als Mini-Protokoll:

  • Symptome: Was genau? Wie oft? Wie stark (0–10)?

  • Stuhl: Veränderung? Häufigkeit? Blut/Schleim? (nur Stichworte)

  • Bauchschmerz: Ort + Trigger + Dauer

  • Energie/Alltag: Arbeit/Sport/Schlaf – was ist eingeschränkt?

  • Gewicht: stabil / runter / rauf

  • Ernährung: „normal“, Restriktionen, Unverträglichkeiten?

  • Stresslevel: hoch/mittel/niedrig, besondere Ereignisse?

  • Medikamente/Supps: was, wie regelmäßig, Nebenwirkungen?

Wichtig: Es geht nicht um perfekte Daten, sondern um Muster.

3) Die 7 wichtigsten Fragen, die du stellen kannst

Wähle 3–5 aus, sonst wird es zu viel:

  1. Bin ich aktuell in Remission und woran machst du das fest?

  2. Welche Entzündungsmarker sind für mich gerade entscheidend? (z. B. CRP, Calprotectin)

  3. Was ist der konkrete Plan bis zum nächsten Termin? (Monitoring, Medikation, nächste Checks)

  4. Was wären klare Warnzeichen, bei denen ich mich sofort melden soll?

  5. Was sind typische Nebenwirkungen / Red Flags meiner Therapie?

  6. Welche Alternativen gibt es und warum empfiehlst du Option A statt B?

  7. Was kann ich selbst im Alltag unterstützen, ohne in Extreme zu rutschen? (Schlaf, Stress, Bewegung, Ernährung)

Das ist der Punkt, an dem Arzt und Patient wirklich „auf einer Seite“ sind.

4) Werte & Tests: Was du mitnehmen solltest

Wenn du kannst, bring Folgendes mit (Foto reicht):

  • aktuelles Blutbild (CRP, ggf. Blutbild, Leberwerte etc.)

  • Calprotectin/ Stuhlwerte (falls vorhanden)

  • relevante Befunde (Koloskopie/MRT/Ultraschall)

  • Medikamentenliste + Nebenwirkungen

  • 1–2 Wochen Symptomnotizen (kurz)

Wenn du nichts hast: kein Problem. Aber wenn du es hast, wird das Gespräch deutlich präziser.

5) Der „CED-Alltag“-Teil, den viele nicht ansprechen

Das ist mein persönlicher Appell: Sprich es an, wenn es relevant ist.

  • mentale Belastung (Angst vor Schub, Grübeln, Stress)

  • Schlafprobleme

  • Sport/Leistungsfähigkeit

  • Sexualität/Beziehungen/Arbeit (wenn es dich betrifft)

CED ist nicht nur Darm. CED ist Leben. Und gute Medizin sieht den Menschen, nicht nur den Befund.

Mini-Framework: So gehst du aus dem Termin raus, ohne Fragezeichen

Bevor du gehst, sag:

  1. „Kannst du mir den Plan kurz in 3 Punkten zusammenfassen?“

  2. „Wann soll ich mich wieder melden und bei welchen Symptomen sofort?“

  3. „Welche Werte/Checks sind bis dahin wichtig?“

Du verdienst Klarheit.

Wichtig: Keine „Dr. Google“-Therapie – aber echte Selbstverantwortung

Ich sage das immer wieder: Der Arzt behandelt die Krankheit, aber du baust das Leben darum. Vorbereitung ist kein Misstrauen. Vorbereitung ist Selbstfürsorge. Und gerade bei CED macht das einen Unterschied: Weniger Angst, weniger Chaos im Kopf, bessere Entscheidungen und oft auch bessere Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam. Fazit: Du darfst mehr erwarten als „Wir schauen mal“ Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Geh mit einem Ziel rein und mit einem Plan raus.

Wenn du willst, kannst du dir diese Checkliste kopieren und in deine Notizen packen und beim nächsten Termin einfach durchgehen.

Zum Schluss die Einladung: Wenn dir solche CED-Alltagsstrategien helfen, trag dich in meinen Newsletter ein – dort teile ich regelmäßig praktische Checklisten, persönliche Learnings und Tools, die im echten Leben funktionieren. Und auf meinen Social-Media-Kanälen bekommst du kurze Impulse zu Ernährung, Training, Schlaf, Stress und Mindset – evidenzinformiert, aber alltagstauglich.

Liebe Grüße,
Raphael

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