Schub vs. Remission bei CED

Was ist zu beachten und was mir 14 Jahre Morbus Crohn gelehrt haben

Wenn du mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa lebst, kennst du dieses Wechselspiel: Mal geht es dir gut, du fühlst dich fast »ganz normal« – und dann plötzlich ist alles wieder da. Schmerzen, Durchfall, Erschöpfung. Dieses Auf und Ab ist kein Zufall, sondern das Wesen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED). In diesem Artikel erkläre ich dir, was es mit Schub und Remission wirklich auf sich hat, was du in beiden Phasen beachten solltest und wie ich selbst gelernt habe, damit umzugehen.

Was sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa überhaupt?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören beide zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen – kurz CED. Weltweit sind Millionen Menschen betroffen, und besonders in westlichen Ländern wie Deutschland, den USA oder Großbritannien steigt die Zahl der Erkrankten seit Jahren.

Morbus Crohn kann im gesamten Verdauungstrakt auftreten – vom Mund bis zum After. Am häufigsten ist der letzte Abschnitt des Dünndarms betroffen. Colitis ulcerosa hingegen beschränkt sich meist auf den Dickdarm und besonders den Enddarm. Beide Erkrankungen sind nicht heilbar, verlaufen in Schüben und beeinflussen das Leben der Betroffenen erheblich.

Typische Symptome sind: Durchfall, Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust und die Nebenwirkungen der Medikamente. Fragst du 100 Erkrankte, bekommst du wahrscheinlich 80 verschiedene Verläufe – denn CED ist zutiefst individuell.

Was ist ein Schub – und was ist Remission?

Der Schub

Ein Schub bezeichnet eine Phase aktiver Krankheitsaktivität. Das Immunsystem greift irrtümlich das eigene Darmgewebe an, was zu Entzündungen führt. Die Beschwerden können plötzlich und heftig auftreten: starke Bauchschmerzen, häufige Durchfälle (oft mehr als zehnmal am Tag), Blut im Stuhl, extremer Gewichtsverlust, Fieber und totale Erschöpfung.

Laborwerte wie das CRP (C-reaktives Protein), die Blutsenkungsgeschwindigkeit oder Calprotectin im Stuhl spiegeln diese Entzündungsaktivität wider. Ein Schub ist nicht nur körperlich belastend – er kann auch emotional erdrückend sein.

Die Remission

Remission bedeutet, dass die Krankheit zur Ruhe gekommen ist. Die Entzündungswerte normalisieren sich, Symptome lassen nach oder verschwinden gänzlich. Man unterscheidet zwischen klinischer Remission (keine spürbaren Beschwerden) und endoskopischer oder histologischer Remission (keine sichtbaren oder mikroskopischen Entzündungszeichen).

Wichtig zu verstehen: Remission bedeutet nicht Heilung. Die Krankheit ist weiterhin vorhanden – sie schläft nur. Und genau deshalb ist das, was du in der Remission tust, so entscheidend.

Was ist im Schub zu beachten?

1. Sofort ärztliche Unterstützung suchen

Ein aktiver Schub sollte immer mit dem behandelnden Gastroenterologen besprochen werden. Je nach Schwere werden Kortison, Immunsuppressiva oder Biologika eingesetzt. Bitte setze niemals eigene Medikamente einfach ab oder ändere Dosierungen ohne Rücksprache, das habe ich selbst einmal getan, und es war ein Fehler.

2. Den Körper nicht überfordern

Intensiver Sport im akuten Schub ist kontraproduktiv. Der Körper braucht Ruhe und Energie für die Heilung. Leichte Bewegung wie kurze Spaziergänge kann helfen, aber Hochleistungstraining stresst den Organismus zusätzlich, ein Fehler, den ich selbst begangen habe und der mir damals geschadet hat.

3. Ernährung anpassen

Im Schub ist der Darm gereizt und empfindlich. Viele Betroffene vertragen dann ballaststoffarme, leicht verdauliche Kost besser. Rohes Gemüse, Hülsenfrüchte, stark gewürztes Essen oder Alkohol können die Symptome verstärken. Es gibt keine universelle »CED-Diät« – aber das Führen eines Ernährungstagebuchs hilft, individuelle Trigger zu identifizieren.

4. Stress reduzieren

Psychischer Stress kann Schübe verstärken oder sogar auslösen. Der Darm und das Nervensystem sind über die sogenannte Darm-Hirn-Achse eng miteinander verbunden. Entspannungstechniken wie Meditation, Atemtechniken oder Yoga können unterstützend wirken – nicht als Ersatz für Medizin, sondern als ergänzende Maßnahme.

5. Dich nicht isolieren

Ein Schub kann sehr einsam machen. Viele Betroffene ziehen sich zurück, schwächen aus Scham oder Überforderung Sozialkontakte ab. Das Gegenteil ist hilfreich: Sprich mit jemandem. Familie, Freunde, eine Selbsthilfegruppe – oder einer Gemeinschaft von Menschen, die wissen, was du durchmachst.

Was ist in der Remission zu beachten?

Die Remission ist die kostbarste Phase und gleichzeitig die, in der am meisten falsch gemacht werden kann. Viele denken: »Mir geht’s gut, ich brauche jetzt nichts mehr zu tun.« Genau das Gegenteil ist richtig.

1. Medikamente nicht eigens absetzen

Nur weil du dich gut fühlst, bedeutet das nicht, dass die Entzündung vollständig weg ist. Das Absetzen von Medikamenten ohne ärztliche Begleitung ist eines der häufigsten Probleme und ein Fehler, den ich selbst gemacht habe. Eine schrittweise Reduktion unter ärztlicher Aufsicht ist der richtige Weg.

2. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Auch in beschwerdefreien Phasen sind Darmspiegelungen und Laborkontrollen wichtig. CED erhöht langfristig das Darmkrebsrisiko, besonders bei Colitis ulcerosa. Regelmäßige Vorsorge ist keine Übervorsicht – sie ist Verantwortung.

3. Bewegung als Anker nutzen

Körperliche Aktivität in der Remission ist nicht nur erlaubt – sie ist einer der stärksten Faktoren, um Remissionen zu verlängern. Sport reduziert Entzündungsmarker, fördert die Darmgesundheit und stärkt das psychische Wohlbefinden. Krafttraining, Ausdauersport, Yoga – finde heraus, was zu dir passt.

4. Ernährung als Werkzeug, nicht als Feind

Eine entzündungshemmende Ernährung – wenig Zucker, wenig verarbeitete Lebensmittel, viel Gemüse, gesunde Fette – kann helfen, die Remission zu stabilisieren. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Konsistenz. Jeder Schritt zählt.

5. Das Mindset ist entscheidend

Die Remission ist der Moment, in dem du aktiv investierst – in deinen Körper, deine Psyche, dein Wissen über deine Krankheit. Hör auf zu fragen »Warum ich?« – und fang an zu fragen: »Was kann ich tun?« Das klingt einfach, aber es ist eine Entscheidung, die alles verändert.

Meine Geschichte – 13 Jahre mit Morbus Crohn

Ich bin Raphael, 28 Jahre alt, aus Hamburg. Und ich möchte dir jetzt von dem erzählen, was mich hierher gebracht hat.

Der Anfang – mit 14 Jahren

Es war 2012. Ich war 14 Jahre alt, wir waren im Urlaub an der Ostsee. Plötzlich: Blut im Stuhl. Heftige Schmerzen. Was zunächst wie eine Magen-Darm-Grippe wirkte, wurde zur Odyssee. Krankenhaus. Untersuchungen. Wieder nach Hause – keine Schule mehr möglich. Ich hatte stark abgenommen, war zweimal pro Woche am Tropf. Mein Körper kämpfte.

Am 25. September 2012 kam die Diagnose: Morbus Crohn.

Ich erinnere mich, wie ich danach im Internet nach Informationen suchte und auf Horrorgeschichten stieß. Unheilbar. Chronisch. Lebenslang. Das waren die Wörter, die blieben.

Die ersten Jahre – fast immer im Schub

Die ersten fünf Jahre verliefen schwer. Ich war fast durchgehend auf Kortison. Etliche Medikamente wurden ausprobiert – keines wirkte richtig. Ich war gefühlt jede Woche beim Arzt. Dauerhafte Entzündung, Schmerzen, Unsicherheit. Viele Jahre habe ich geschwiegen – aus Scham, aus Angst. Es war immer »Ich und meine Krankheit«. Kaum jemand außer meiner Familie wusste davon.

Aber ich wollte mich nicht damit abfinden. Meine Motivation war klar: Die Krankheit sollte nicht mein Leben bestimmen. Ich wollte mir die Kontrolle zurückerkampfen.

Der Wendepunkt – Fitness und Ernährung

Mit etwa 16 Jahren meldete ich mich erstmals in einem Fitnessstudio an. Zunächst ohne viel Wissen, ohne große Erfolge. Aber ungefähr ein Jahr später begann ich, meine Ernährung anzupassen. Und dann passierten die ersten spürbaren Veränderungen. Nicht dramatisch – aber real.

Das Training wurde mein Anker. Ein Raum, in dem ich wieder Kontrolle erfahren konnte. Zum ersten Mal seit der Diagnose fühlte ich: Dieser Körper gehört mir.

Parallel wurde ich zum eigenen Forscher meiner Krankheit: Dokus, Studien, Bücher. Mit 18 Jahren hörte ich auf, Alkohol zu trinken – in einem Alter, in dem das alles andere als selbstverständlich war. Ich reduzierte Zucker, optimierte meine Ernährung, arbeitete an meinem Mindset.

Ich habe auch Fehler gemacht: Ich habe mit hochentzündetem Darm intensiv trainiert. Ich habe Medikamente eigens abgesetzt. Aber ich bin drangeblieben und habe daraus gelernt.

Heute – über acht Jahre schubfrei

Seit dem 07. März 2025 bin ich medikamentenfrei. Und noch wichtiger: Ich bin seit über acht Jahren schubfrei und beschwerdefrei. Kein Rückfall. Kein Krankenhaus. Kein Moment, in dem ich dachte: Jetzt beginnt alles wieder von vorn.

Wenn mir heute jemand sagt »Du hattest halt Glück mit deinem Verlauf«, dann widerspreche ich. Es war kein Glück – es war Arbeit. Während Freunde unterwegs waren, Partys feierten und ihr Leben genossen, bin ich zum sechsten Mal in der Woche ins Gym gegangen, habe mein Essen vorbereitet, mich weitergebildet und an meiner Gesundheit gearbeitet. Egal wie gut oder schlecht es mir ging.

Ich bin nicht geheilt. Aber ich habe die Kontrolle zurückgewonnen. Ich sehe meine Krankheit heute nicht mehr als Feind, sondern als Lehrer. Sie hat mir gezeigt, was wirklich zählt.

Was ich dir mitgeben möchte

CED ist nicht heilbar – das stimmt. Aber du bist nicht machtlos. Das stimmt nicht.

Ob im Schub oder in der Remission: Du kannst aktiv Einfluss nehmen. Auf dein Wohlbefinden. Auf deinen Verlauf. Auf dein Leben. Das beginnt mit kleinen Entscheidungen: Was esse ich heute? Bewege ich mich? Schlafe ich genügend? Rede ich über das, was mich belastet?

Gesundheit ist kein Zustand der Perfektion – sie ist ein Prozess. Du musst nicht alles auf einmal ändern. Fang mit einem Schritt an. Dann dem nächsten.

Und wenn du gerade an einem Punkt bist, an dem du denkst: »Ich schaffe das nicht« – dann sage ich dir: Doch, du kannst. Nicht von heute auf morgen. Aber Schritt für Schritt. Alles beginnt mit einer Frage:

»Was, wenn das hier nicht das Ende ist – sondern der Anfang?«

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Liebe Grüße,

Raphael

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