Nach 4 Jahren wieder zur Darmspiegelung.

Warum ich seit anderthalb Jahren ohne Medikamente lebe, mich trotzdem kontrollieren lasse und was das Ergebnis mit mir gemacht hat

Es gibt Momente, in denen sich Jahre an Arbeit auf einen einzigen Bildschirm zusammenziehen. Für mich war das vor kurzem der Fall, als ich nach fast vier Jahren wieder auf dem Untersuchungstisch lag und mein Arzt die Kamera durch meinen Darm führte.

Ich hatte vorher bewusst mit niemandem darüber gesprochen. Kein Post, keine Story, keine Ankündigung. Und das hatte einen Grund. Ich wollte, falls doch etwas Unerwartetes zum Vorschein kommt, dass dieser Moment erstmal mir gehört. Nicht der Community, nicht dem Feed, sondern mir. Manche Dinge muss man erst selbst verarbeiten, bevor man sie teilt.

Jetzt, wo ich weiß, wie es ausgegangen ist, will ich dich mitnehmen. Nicht weil ich mich feiern will, sondern weil in dieser Geschichte etwas steckt, das weit über meinen eigenen Darm hinausgeht.

Wenn das Gefühl trügt

Mir geht es gut. Seit ungefähr eineinhalb Jahren lebe ich komplett ohne Medikamente, immer eng begleitet von meinem Arzt. Ich bin seit vielen Jahren beschwerdefrei, fühle mich stabil und führe ein ganz normales, aktives Leben. Wenn du mich auf der Straße triffst, würdest du nicht ahnen, dass ich seit vierzehn Jahren mit einer chronischen Darmerkrankung lebe.

Und trotzdem wollte ich hinschauen. Denn genau hier lauert eine Falle, in die erschreckend viele Betroffene tappen. Man fühlt sich gut, also nimmt man an, dass alles in Ordnung ist. Das klingt logisch, ist aber leider nicht immer richtig. Der Darm kann Entzündungen entwickeln, die man körperlich noch gar nicht spürt. Stille Prozesse, die im Verborgenen ablaufen und über Jahre Schaden anrichten können, ohne dass ein einziges Symptom Alarm schlägt.

Deshalb war für mich klar, dass ich mich nicht allein auf mein Bauchgefühl verlassen wollte. Ich wollte Gewissheit. Ich wollte sehen, was tatsächlich in mir vorgeht, nicht nur spüren, wie ich mich fühle. Gerade als jemand, der ohne Medikamente lebt, ist diese Art von Kontrolle für mich keine übertriebene Vorsicht, sondern schlicht Verantwortung mir selbst gegenüber.

Der unangenehme Teil kommt vorher

Am Mittwoch begann die Vorbereitung. Und wer schon einmal eine Darmspiegelung hinter sich gebracht hat, weiß, dass nicht die Untersuchung selbst das Anstrengende ist, sondern alles, was davor kommt.

Literweise Abführmittel, das man mehr herunterwürgt als trinkt. Kein Essen mehr. Am Ende kam ich auf knapp vierzig Stunden ohne feste Nahrung. Der Magen meldet sich, die Energie sinkt, und die Toilette wird für einige Stunden zu deinem engsten Begleiter. Schön ist anders. Aber ich wusste die ganze Zeit, wofür ich das durchziehe, und das macht so etwas erträglich.

Was mich selbst überrascht hat, war die Aufregung davor. Nach so vielen Jahren mit dieser Erkrankung, nach unzähligen Arztterminen und Untersuchungen, hätte ich gedacht, dass mich das kaltlässt. Tut es aber nicht. Diese leise Anspannung davor, was gleich auf dem Monitor erscheinen wird, ob die letzten Jahre wirklich das gebracht haben, worauf ich gehofft hatte, die war da. Und sie war stärker, als ich zugeben wollte.

Der Moment der Wahrheit

Und dann war es soweit.

Kein Nachweis einer entzündlichen Aktivität des Morbus Crohn.

Alles ruhig. Keine akute Entzündung, nichts, was gerade Schaden anrichtet. Was man noch sieht, sind chronische Spuren aus den harten Jahren, vernarbte Stellen, kleine Erinnerungen daran, was dieser Darm früher durchgemacht hat. Aber nichts Aktives. Nichts Bedrohliches. Mein Arzt war sichtlich zufrieden und meinte, dass die nächste Kontrolle erst in drei bis fünf Jahren nötig sei.

Für jemanden, der die ersten fünf Jahre seiner Erkrankung fast durchgehend im Schub verbracht hat, fast wöchentlich beim Arzt saß und über Jahre auf Kortison angewiesen war, ist dieser Satz kaum in Worte zu fassen. Ich hatte mit einem guten Ergebnis gerechnet, weil es mir eben wirklich gut geht. Aber es dann tatsächlich schwarz auf weiß bestätigt zu bekommen, war nochmal eine ganz andere Nummer. Hoffnung und schriftliche Gewissheit sind eben zwei verschiedene Dinge.

Warum mich das tagelang beschäftigt hat

In den Tagen danach ging mir das Ganze immer wieder durch den Kopf. Und zwar nicht nur, weil ich erleichtert war, dass gesundheitlich alles gut aussieht. Sondern weil mir dieser Befund etwas anderes vor Augen geführt hat.

Er hat mir bewiesen, dass sich die Arbeit gelohnt hat. All das, was ich über die Jahre in meine Gesundheit gesteckt habe, all die kleinen und großen Entscheidungen, die oft alles andere als bequem waren.

Und ich möchte da wirklich ehrlich sein, weil dieses Bild von Gesundheit im Internet oft so mühelos aussieht. Es war nicht immer schön, ins Gym zu gehen, wenn ich eigentlich keine Lust hatte. Es war nicht immer schön, sonntags in der Küche zu stehen und mein Essen für die ganze Woche vorzubereiten, während andere den Tag genossen haben. Es war nicht immer schön, auf Alkohol zu verzichten, wenn um mich herum alle angestoßen haben und ich mit meinem Wasser dasaß.

Das waren echte Verzichte. Über Jahre. Und trotzdem würde ich jede einzelne dieser Entscheidungen wieder genauso treffen. Ohne zu zögern.

Kein Wundermittel, nirgends

Was mir dabei am wichtigsten ist, und was ich dir wirklich mitgeben möchte, ist dieser eine Punkt. Ich habe für all das kein Wundermittel gebraucht.

Kein magisches Supplement, bei dem irgendein Verkäufer behauptet, danach sei man geheilt. Keine extreme Diät, die alles verspricht und nichts hält. Kein Geschwurbel, keine Geheimtricks, nichts, was man für neunundvierzig Euro in irgendeinem Online Shop kaufen kann.

Ich habe stattdessen an den Dingen gearbeitet, die tatsächlich in meiner Hand liegen. An meiner Ernährung. An meiner Bewegung. An der Art, wie ich mit Stress umgehe. An meinen Routinen. An meinem Kopf und meiner inneren Haltung. An meinem gesamten Verhältnis zu meiner eigenen Gesundheit.

Das ist unspektakulär. Das lässt sich schlecht vermarkten, weil es weder schnell noch aufregend ist. Aber es ist das, was wirklich funktioniert. Und genau deshalb werde ich auch nichts daran ändern und einfach weitermachen wie bisher.

Bitte vergleich dich nicht mit mir

Mir ist wichtig, dass hier kein falscher Eindruck entsteht. Ich weiß, dass viele von euch an einem völlig anderen Punkt stehen als ich gerade.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die gerne wieder Sport treiben würden und es einfach nicht können. Die mitten in einem schweren Schub feststecken. Für die selbst der Gedanke an Meal Prep oder ein Workout gerade utopisch klingt, weil sie mit ganz anderen Dingen kämpfen.

Deshalb geht es mir ausdrücklich nicht darum, dass du dich mit mir misst. Jeder Mensch startet an einem anderen Ort. Mein Verlauf ist meiner, deiner ist deiner. Was bei mir funktioniert hat, ist weder ein Versprechen noch eine Anleitung, die sich einfach auf jeden übertragen lässt.

Aber ich bin überzeugt, dass fast jeder irgendeinen Bereich hat, und sei er noch so klein, auf den er Einfluss nehmen kann. Und genau dort würde ich ansetzen. Nicht bei dem großen Ganzen, das gerade unmöglich erscheint, sondern bei dem einen kleinen Ding, das machbar ist. Der Rest ergibt sich mit der Zeit.

Warum ich das alles überhaupt mache

Diese ganze Erfahrung hat mir nebenbei nochmal in Erinnerung gerufen, warum ich diesen Weg überhaupt eingeschlagen habe.

Es gibt mir unglaublich viel, wenn jemand nach einem gemeinsamen Training sagt, dass er sich endlich wieder freier bewegen kann. Wenn mir jemand schreibt, dass er durch ein paar kleine Veränderungen wieder das Gefühl hat, die Kontrolle über seine Gesundheit zurückzugewinnen. Solche Momente sind der Grund, warum ich morgens aufstehe und weitermache.

Ich kann von all dem im Moment noch nicht komplett leben, und ja, das Ganze steht noch relativ am Anfang. Aber ich habe in kurzer Zeit schon so viel aufgebaut, dass ich weiß, der einzige, der mich am Ende noch stoppen könnte, bin ich selbst. Und das habe ich nicht vor.

Und jetzt du

Zum Schluss möchte ich dir ein paar Fragen mitgeben. Nicht, um dir ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern um dich zum Nachdenken zu bringen.

Warum eigentlich nicht du? Warum solltest du nicht anfangen, mehr für deine Gesundheit zu tun? Warum solltest du nicht deine eigenen Ziele verfolgen? Warum solltest du dir nicht ein Leben aufbauen, mit dem du wirklich zufrieden bist?

Du musst dich dabei mit niemandem vergleichen, nicht mit mir und mit sonst niemandem da draußen. Der einzige sinnvolle Vergleich ist der mit dir selbst, mit der Person, die du gestern warst.

Aber probier es wenigstens. Fang irgendwo an, egal wie klein. Denn ich bin überzeugt, dass du es später eher bereust, es nie versucht zu haben, als dass du je bereuen wirst, angefangen zu haben.

Gesundheit ist für mich am Ende einfach alles.

Lass uns in Kontakt bleiben

Wenn du gerade an dem Punkt stehst, an dem du anfangen möchtest, mehr für deine Gesundheit zu tun, aber nicht genau weißt, wo du ansetzen sollst, dann lass uns sprechen.

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Liebe Grüße,
Raphael

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